Bürgermeisterwahl in Worpswede: Markus Lippeck stellt Wahlprogramm vor
von Markus Lippeck
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Nach dem überraschenden Rückzug des gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten von UWG, SPD, Grünen und Linken, Lars Koch, ordnet sich die politische Lage in Worpswede neu. Die vier Parteien stehen nun vor der Aufgabe, nur wenige Wochen vor dem ursprünglich geplanten Wahlkampfauftakt einen neuen Kandidaten oder eine neue Kandidatin zu finden. Während die Suche gerade erst beginnt, nutzt Markus Lippeck, der parteilose Bewerber um das Bürgermeisteramt, die entstandene Aufmerksamkeit und stellt nun öffentlich sein Wahlprogramm vor. Sein Ziel: ein klarer inhaltlicher Gegenentwurf zu dem, was er als "strukturelle Selbstzufriedenheit" in der Gemeinde beschreibt.
Lippeck betont in seinem Programm, dass die jüngsten Ereignisse seine Einschätzung der politischen Lage eher bestätigt hätten. "Was wir derzeit erleben, ist ein politisches Gleichgewicht, das eher moderiert als gestaltet", sagt er. Die Absage Kochs zeige aus seiner Sicht, wie schwer es den bestehenden Mehrheiten falle, einen gemeinsamen strategischen Kurs zu entwickeln. Er kandidiere deshalb bewusst unabhängig, "weil ich nicht für die Verwaltung des Bestehenden stehe, sondern für Veränderung", so Lippeck.
Sein Programm ist entsprechend zugespitzt formuliert. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach einem strukturellen Neuanfang. Worpswede brauche klare Prioritäten und Entscheidungen, sagt er. Strukturen, die historisch gewachsen und politisch eingefahren seien, müssten auf den Prüfstand. "Historisch gewachsene Strukturen sind kein Selbstzweck. Wenn sie Handlungsfähigkeit einschränken, müssen sie reformiert werden", betont er. Für Lippeck geht es dabei nicht um Symbolpolitik, sondern um konkrete Modernisierungsschritte, die Worpswede langfristig zukunftsfähig machen sollen.
Ein Kernpunkt seines Programms ist die kulturpolitische Ausrichtung der Gemeinde. Lippeck sieht Worpswedes kulturelles Profil als Stärke, warnt aber zugleich vor strukturellen Defiziten. Kultur müsse professioneller organisiert, wirtschaftlich tragfähiger aufgestellt und transparenter finanziert werden. "Kultur muss Identität stiften – und zugleich wirtschaftliche Impulse für Gastronomie, Tourismus und Handel erzeugen", sagt er. Eine unabhängige Kulturstiftung mit klaren Regeln und professionellem Management sei dafür ein geeigneter Rahmen.
Einbindung der Ortsteile
Auch die Einbindung der Ortsteile ist für ihn zentral. Lippeck betont, dass Worpswede mehr sei als der Ortskern. Er plädiert für eine stärkere Verzahnung von Kultur, Natur und Landwirtschaft. Die Dörfer und regionalen Betriebe müssten systematisch in eine neue Gesamtstrategie eingebunden werden. "Worpswede hat die Chance, Modellregion für integrierten Kultur- und Landtourismus zu werden", sagt er. Voraussetzung dafür sei allerdings ein "strukturelles Neudenken", das über die bisherige Politik hinausgehe.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Modernisierung der Verwaltung. Lippeck fordert digitale Prozesse, beschleunigte Genehmigungsverfahren und eine konsequent serviceorientierte Verwaltungsstruktur. Besonders hebt er die Bedeutung neuer Technologien hervor: "Die Entwicklung im Bereich Künstlicher Intelligenz wird kommunale Verwaltung grundlegend verändern. Wer jetzt nicht investiert, verliert Zeit, Effizienz und Attraktivität als Standort." Worpswede brauche eine Verwaltung, die "dem Bürger dient – nicht sich selbst".
Lippeck betont ausdrücklich, dass seine Kandidatur nicht gegen einzelne Personen gerichtet sei, sondern gegen Strukturen, die aus seiner Sicht zu wenig Bewegung zulassen. "Ich kandidiere nicht gegen Menschen, sondern gegen strukturelle Selbstzufriedenheit", sagt er. Worpswede brauche seiner Meinung nach Mut zur Reform, wirtschaftliche Vernunft und Entscheidungsstärke.
Stichtag 20. Juli
Die Aufstellung eines Wahlprogramms ist das eine, die offizielle Zulassung als Bürgermeisterkandidat das andere. Um als gelisteter Bürgermeisterkandidat in den Wahlkampf ziehen zu können, benötigt Markus Lippeck insgesamt 120 Unterstützerunterschriften. Ohne die erreichte Anzahl ist eine Bürgermeisterkandidatur nicht möglich. Etwas mehr als die Hälfte hat er nun schon beisammen. Wie Michael Blechmann von der Worpsweder Gemeindeverwaltung auf Nachfrage der Redaktion mitteilt, könnte sich Markus Lippeck mit dem Sammeln der Unterschriften theoretisch noch etwas Zeit lassen. Denn der gesetzlich festgelegte Stichtag ist der 20. Juli. An diesem Tag müssen bis 18 Uhr die 120 gesammelten Unterstützerunterschriften aller parteilosen Bewerber für das Bürgermeisteramt im Worpsweder Rathaus abgegeben werden. "Jedoch ist eine frühestmögliche Hereingabe sinnvoll. Wenn sich nach einer Prüfung herausstellt, dass Unterschriften nicht anerkannt werden können und dann zu wenige gültige Unterstützungsunterschriften vorliegen, kann nach diesem Termin nichts mehr nachgereicht werden", so Blechmann und ergänzt: "Je früher, desto besser." Die Bürgermeisterwahl in Worpswede findet am 13. September statt.